Frag die Meerkatze!

So löst man das Missionars-Dilemma

Ich kann mich nicht erinnern, in meinem nahezu 30 Jahre währenden veganem Dasein je des Missionierens bezichtigt worden zu sein, gleichwohl ich nie den Mund gehalten habe, wenn es darum ging, Tiere zu Lebensmitteln zu degradieren. Aber wahrscheinlich liegt es nur am schlechten Gedächtnis, denn diese Erfahrung machen wohl alle, die sich von den Fleischtöpfen abwenden.

 

Nun wissen wir ja längst: Wer zu einer Gruppe gehört, sollte sich tunlichst an deren Gepflogenheiten anpassen. Das ist nicht nur beim Essen so. Aber auch.

Und das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Meerkatzen.

Die Primatologen Erica van de Waal und Andrew Whiten von der University of St. Andrews und Christèle Borgeaud von der Université Neuchâtel haben dieses Phänomen bei Vertretern der Grünen Meerkatze in Südafrika untersucht.

In ihrer Studie versorgten die Forscher die Affen mit Kisten voller Popcorn, das entweder blau oder rosa gefärbt war. Bei zwei Gruppen wurde das blaue Popcorn zuvor in einen pflanzlichen Bitterstoff getaucht, sodass es ungenießbar war. Natürlich bedienten sich die Meerkatzen schnell nur beim rosa Popcorn. Mit der gleichen Methode wurden dann zwei weitere Meerkatzengemeinschaften dazu gebracht, das blaue Korn zu bevorzugen.

Wie erwartet, wurden die entsprechenden Präferenzen dann auch dem Nachwuchs beigebracht - sogar wenn mittlerweile beide Popcorn-Farben genießbar waren (da versteht man auf einmal auch die helle Aufregung, wenn es Mütter wagen, ihren Nachwuchs anders als die Meute zu ernähren. Der Grund liegt bei den Meerkatzen!)

 

Soweit so gut. Die entscheidende Entdeckung gelang den Forschern aber bei jenen hochzeitswilligen Männchen, die mit in eine fremde Gruppe wechselten, die auf die jeweils andere Popcorn-Farbe geprägt war: Neun dieser zehn Männchen passten sich an ihre neue Gruppe an und wechselten umgehend zum anders gefärbten Popcorn.

Das einzige Tier, das die fremden Essgewohnheiten ignorierte, war ein Alpha-Männchen, das sich an die Spitze auch der neuen Gruppe hatte setzen können.

Und was lernen wir daraus?

Um als Veganer respektiert zu werden – was uns als Person zusteht wie allen anderen auch – müssen wir uns zum Boss aufschwingen. Nur als Häuptling dürfen wir so essen, wie es uns passt.

Danke, ihr Meerkatzen, dass ihr uns erinnert, wie es zu laufen hat:

 

Veganer an die Macht! Die Fleischesser lassen uns ja keine Wahl.

 

 

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© Silke Ruthenberg