Wer sind eigentlich diese Veganer?

Es gibt keine verlässlichen statistischen Erhebungen, wie viele Menschen in Deutschland vegan leben und die Schätzungen gehen weit auseinander.

 

1995 schätzte die European Vegetarian Union in Deutschland eine Anzahl von 230.000 Veganern. Nach der Nationalen Verzehrsstudie II von 2008 ernährten sich in Deutschland jedoch nur ca. 0,1% der Bevölkerung und damit 80 000 Menschen vegan. Der Vegetarierbund Deutschlands (VEBU) schätzte im Jahr 2012 die Zahl der in Deutschland lebenden Veganer auf 600.000. Eine Studie der Universitäten Göttingen und Hohenheim zum Fleischkonsum in Deutschland kam 2013 zu dem Ergebnis, dass der Anteil vegan lebender Menschen in Deutschland unter 0,5% und damit vermutlich bei weniger als 400.000 liege.

 

Seit Mitte der 90er haben sich die Vegetarier insgesamt stark vermehrt - sozusagen durch extrakorporale, ethisch-moralische Insemination. Ihre Anzahl hat sich seitdem verdoppelt bis verdreifacht. Überträgt man die Ergebnisse von Umfragen unter britischen Vegetariern, nach denen etwa 7% der Vegetarier vegan leben, auf deutsche Verhältnisse, kommt man auf eine Anzahl von etwa 700.000 Veganern (knapp 1% der Gesamtbevölkerung) in Deutschland. Derzeit geht man durchweg von geschätzten 800 000 Veganern in Deutschland aus - mit stark steigender Tendenz.

 

Eine Erhebung vom Meinungsforschungsinstitut FORSA (2001) zeigt, dass vor allem Frauen sich für eine vegetarische Lebensweise entscheiden. 13 % Vegetarierinnen stehen 3 % männliche Vegetarier gegenüber. Vegetarismus ist auch eine Sache der jüngeren Leute: Unter den 18- bis 24-jährigen Frauen betrug 2002 ihr Anteil 16 % (Robert-Koch-Institut). 

Sozialwissenschaftliche Studien über Veganer gibt es in Deutschland nur eine einzige. Die Mehrheit der befragten Veganer/innen hat sich aus ethischen Gründen für diese Lebensweise entschieden. 93 % der Teilnehmer geben ethische Motive und 35 % moralische an. Diese ethisch-moralischen Motive resultieren vor allem aus Mitleid mit den Tieren. 21 % führen ökologische Argumente an, 15% nennen gesundheitliche Motive und 13 % der Befragten nennen ökonomische Gründe. 4 % nennen religiöse Motive und 13 % geben "Sonstiges" an.


Veganer und Vegatarier sind gesundheitsbewusster als der Durchschnitt der Bevölkerung, trinken weniger Alkohol und rauchen seltener. Akademiker und Führungskräfte finden sich unter Veganern häufiger als in der durchschnittlichen Bevölkerung.

 

Insgesamt geht der Trend ohnehin weg von Fleisch, Milch und Ei. Die Bild am Sonntag vermeldete 2005, dass nach einer Repräsentativumfrage etwa acht Millionen Deutsche Vegetarier seien. Gerade Kinder und Jugendliche sind engagierte Fleischverweigerer. Über 40 Prozent in der Altersgruppe der 14- bis 28jährigen essen kein Fleisch oder nur sehr selten.


Der Trend ist länderübergreifend. Im November und Dezember 2005 wurden rund 30.000 Menschen in allen EU-Mitgliedsstaaten, Bulgarien und Rumänien sowie Kroatien und Türkei befragt. 20 Prozent wollen weniger Fleisch essen. In Deutschland stieg der Anteil derer, die weniger Fleisch essen wollen, von einem Drittel (2005) auf 60% (2012).


Die Branche tut sich sehr, sehr leid: Die Deutschen hätten 2006 vor allem wegen der Vogelgrippe weniger Geflügelfleisch aufgetischt, der durchschnittliche Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch insgesamt sei dadurch im Vergleich um Vorjahr um 500 Gramm auf 60,4 Kilogramm zurückgegangen, lamentiert die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) in Berlin. Dies läge nur 1,2 Kilogramm über dem niedrigen Verzehr des Jahres 2001, als der Rinderwahn die Verbraucher verschreckte. 2013 lag der Konsum bei 59,5 kg.

 

Auch der Eiermarkt meldet einen weiteren Rückgang. Im vergangenen Jahr seien statistisch pro Kopf 205 Stück verzehrt worden. Den höchsten Verbrauch gab es 1997 mit 227 Stück pro Kopf.


Die Frauen führen auch hier die Entwicklung an: Die Trendstudie „TIMESCOUT" des Hamburger Marktforschungsunternehmens „factory" ergab, dass es für mittlerweile 32% der jungen Frauen „sehr wichtig" oder „wichtig" ist, dass ihre Ernährung möglichst wenig Fleisch beinhaltet. 78,2 % der befragten jungen Frauen stimmten zu, dass Fleisch bei einer richtigen Mahrzeit keine wichtige Rolle spielt.

 

Diese Zahlen zeigen eine deutliche Distanzierung vom Fleisch als Mittelpunkt einer Mahlzeit. Der fleischarmen oder vegetarischen Mahlzeit scheint die Zukunft zu gehören. Bei Männern, immer noch gebeutelt von der Angst vor Potenzverlust, stimmen immerhin schon 42,4% der Aussage zu, dass es „weniger wichtig" oder unwichtig" ist, dass bei einer richtigen Mahlzeit Fleisch dabei ist.


Die Abkehr vom Fleisch hat auch das Statistische Bundesamt gemessen: Seit den 60er Jahren werde viel weniger Fleisch, Kartoffeln, Eier und Milch gegessen und getrunken, vermeldet der Präsident Johann Hahlen 2006 auf der „Grünen Woche" in Berlin. Während vor 40 Jahren ein westdeutscher Haushalt im Schnitt 2,8 Kilogramm Schweinefleisch im Monat kaufte, waren es 2003 nur noch 1,3 Kilogramm. Der Konsum frischer Milch sank von monatlich 20 Litern 1962/63 auf neun Liter im Jahr 2003. 2011 verbrauchte jeder Bundesbürger im Durchschnitt 53,9 Kilogramm Konsummilch, gefolgt von Sauermilch- und Milchmischgetränken (30,3 Kilogramm).

Vor 40 Jahren wurden zudem mit 44 gut doppelt so viele Eier im Monat gegessen wie 2003. Zwischen 2006 und 2012 lag der Eierkonsum konstant bei 17-18 Eiern im Monat.

 

 

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© Silke Ruthenberg