Unterm Strich zähl´ nur ich! - Die Rubrik für die narzisstische Selbstbespiegelung

Selbstbespiegelung scheint eines der größten Hobbys der Menschen zu sein, Vegetarier und Veganer sind da nicht ausgenommen. Die Psychologen haben es dabei zur wissenschaftlichen Meisterschaft gebracht und die Veggies und die Fleischesser zum Objekt des Interesses gemacht.

Das bewegt sich freilich in der bewährten Tradition, Opfer nicht wahrzunehmen. Außerdem ist es auch eine beliebte Art und Weise, der jeweils anderen Seite persönlich was reinzuwürgen, statt sich mit Sachargumenten auseinanderzusetzen.

In dieser Rubrik sammeln wir, was die Fakultät der Seelenforscher so alles an Interessantem und Illustrem zu bieten hat.

Ätsch! Auch Fleischesser sind Ideologen

Die amerikanische Professorin für Psychologie und Soziologie der Universität von Massachusetts Melanie Joy hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit die sozialpsychologischen Mechanismen untersucht, die hinter der Ideologie des Fleischessens stehen.

 

Denn ja: natürlich ist es eine Ideologie, Fleisch zu essen, denn auch dieser Entscheidung liegt eine Weltanschauung zugrunde. Joy befragte Leute aus der Fleischindustrie, Menschen, die "ihre eigenen" Tiere züchten und schlachten, Fleisch-Konsumenten und Vegetarier und stellte dabei fest, dass sich eigentlich alle von ihnen auf irgendeiner Ebene unwohl dabei fühlten, Tieren Leid zuzufügen. Aber es gab eine psychologische Trennung zwischen diesem Unwohlsein und ihrem Verhalten.

 

Um diesen moralischen Widerspruch zu aufzulösen, benutzten sie verschiedene psychologische Verteidigungsmechanismen. Das Ganze kann man mit einem unsichtbaren Glaubenssystem vergleichen, das von allen internalisiert wird, die in dieses System hineingeboren werden. Melanie Joy nennt dieses System "Karnismus". „Es ist ein Glaubenssystem, eine gewalttätige Ideologie. Wir sind mit der Vorstellung aufgewachsen, dass es richtig ist, Tiere zu essen. Das ist eine soziale Norm, an der kaum gerüttelt wird. Der Karnismus hält uns davon ab, diese Norm zu hinterfragen.

 

Wir haben also die Logik eines höchst unlogischen Systems verinnerlicht", argumentiert Joy im SPIEGEL. Der Karnismus ist darauf angelegt, unser Bewusstsein und unsere Empathie zu blockieren. Die Botschaft lautet: „Du sollst nicht mitfühlen." Die Mechanismen funktionieren in erster Linie über das Leugnen. Wenn wir leugnen, dass es ein Problem gibt, müssen wir auch nichts dagegen machen. Wir verstecken den Umstand, dass Tiere in den Tierfabriken und Schlachthäusern behandelt werden wie Maschinen. Wir verstecken die Opfer und vertreten dabei die Überzeugung, dass es normal, natürlich und notwendig sei, Tiere umzubringen, um sie aufzuessen.

 

Keine dieser Überzeugungen sind logisch haltbar. Melanie Joy zeigt in ihrer Doktorabeit die strukturelle Ähnlichkeit der Legitimisierung von Unterdrückungsverhältnissen nach und ordnet den Veganismus als Ausdruck sozialer Gerechtigkeit ein. Eine Einführung in den Karnismus bietet ihr nun auch auf Deutsch erschienenes Buch Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen.

 

Melanie Joy
Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen
Karnismus – Eine Einführung
compassion media 2013, 240 Seiten, 20,00 €
ISBN 978-3-9814621-7-3

Wo gibt´s denn sowas? - Vegetarier sind normale Menschen

Alle gleich? -Foto: Ute Mulder / pixelio.de

Eine psychologische Studie der Universität von Jena zeigte insgesamt ine Reihe von Unterschieden zwischen Vegetariern und Omnivoren. Vegetarier sind offener für Erfahrungen, sie probieren häufiger etwas Neues aus. Außerdem finden sie Universalismuswerte wie Verständnis, Toleranz sowie das Wohlergehen aller Menschen und der Natur wichtiger als Allesesser.

Die Analysen der Jenaer Psychologinnen über Vegetarier und Veganer ergab hinsichtlich der allgemeinen Persönlichkeitsstruktur vernachlässigbare Unterschiede zwischen den verschiedenen Vegetariergruppen.

 

Wie Dr. Mitte und Dr. Kämpfe glatt erwartet haben, empfinden Vegetarier Macht, also sozialen Status und die Autorität über andere Menschen, weniger wichtig.

 

In vielen anderen Bereichen ergaben sich dagegen keine bedeutsamen Unterschiede zwischen Allesessern und Vegetariern. Zum Beispiel zeichnen sich Vegetarier nicht durch eine höhere Impulskontrolle aus: Beide Gruppen sind gleich gut in der Lage, ihrem Verlangen zu widerstehen. Vegetarier sind auch nicht extravertierter, gewissenhafter oder zufriedener als Allesesser.

Denn, da sind sich die Jenaer Psychologinnen sicher, „unsere Analysen erlauben den Schluss, dass Vegetarier keine anderen Menschen sind als Omnivoren". Ach was?!

Pustekuchen: Veggies haben doch einen Knall

Ich esse nichts, was Augen hat - Foto: Andreas Depping / pixelio.de

Viele Studien stellen den Vegetariern ein vorzügliches Gesundheitszeugnis aus: Im Vergleich zu Otto Normalverbraucher leiden sie weniger an Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs und haben eine höhere Lebenserwartung.

 

Um die seelische Gesundheit der Vegetarier nun genauer auszuloten, hat die finnische Psychologin Marjaana Lindeman von der Universität Helsinki nun in zwei Studien über 500 Frauen zwischen 13 und 74 Jahren unter die wissenschaftliche Lupe genommen.

 

Danach wird die Gemütsverfassung der Vegetarier häufig durch depressive Anwandlungen getrübt. Sie leiden häufiger unter Gefühlen der Niedergeschlagenheit und Einsamkeit und nehmen in der Welt und bei den Menschen ein höheres Maß an Ungerechtigkeit wahr.

 

Die finnischen Befunde geben allerdings keinen Aufschluss über die Richtung der Ursache-Wirkungs-Kette, hält Psychologin Lindeman fest: Fühlen sich melancholischere Zeitgenossen zum Vegetarismus hingezogen, oder ist da irgendetwas an der fleischlosen Ernährung, das den Menschen die gute Laune vergällt?

 

Sehr verdächtig auch: vegetarische Frauen sind stärker auf ihre schlanke Linie fixiert. Mit Essstörungen wie Anorexia nervosa liegen sie deutlich über dem Durchschnittswert. Ob das nun daran liegt, weil sie generell schlanker sind oder die schlankmachende Wirkung des Vegetarismus Personen mit Essstörungen anzieht, wurde ebenfalls nicht untersucht.

 

http://www.wissenschaft.de/archiv/-/journal_content/56/12054/1563058/Verzagte-Vegetarier/

Studie: Warum Fleischesser Vegetarier anfeinden

Veggies machen Barbaren echt sauer - Foto: Dieter Poschmann / pixelio.de

Ihren Exotenstatus haben Vegetarier und Veganer mittlerweile verloren. Trotzdem wird ihnen immer noch häufig mit Hohn und Aggression begegnet.

Warum Fleischesser Vegetarier anfeinden untersuchten Julia Minson von der Universität Pennsylvania und Benoît Monin von der Universität Stanford.

 

In zwei Studien baten ihre – durchweg fleischessenden - Probanden sämtliche Begriffe zu notieren, die ihnen zu Vegetariern in den Sinn kamen. Fast die Hälfte der Teilnehmer assoziierten vor allem negative Eigenschaften wie "arrogant", "nervig" oder "selbstgerecht". Anschließend baten die Psychologen sie um ihre Vermutung, wie Vegetarier Fleischesser moralisch bewerten. Diejenigen mit dem negativen Blick auf die Vegetarier fühlten sich eher durch Vegetarier abgewertet, weil er Fleisch aß.

 

Im zweiten Versuch drehten die Psychologen den Anlauf der Fragestellung um. Nun ging es zuerst um das Bild, das Vegetarier von Fleischessern haben könnten und fragten dann nach deren Beurteilung der Vegetarier. Damit stellten sie den Angriff auf das moralische Selbst quasi in den Raum - und die Vegetarier kamen noch schlechter weg als zuvor.

 

Auch die Psychologen um Brock Bastian von der Universität Queensland analysierten, warum sich Fleischesser implizit angegriffen fühlen könnten. Sie untersuchten die psychologischen Mechanismen, durch die Menschen mit dem sogenannten Fleisch-Paradoxon zurechtkommen, das Steak zu genießen und trotzdem Sympathie für Tiere zu empfinden.

 

Bastian zeigte auf, dass es vielen Menschen als gerechtfertigt erscheint, Tiere zu essen, wenn deren geistige Fähigkeiten als sehr gering gelten. Nur sind zum Beispiel Schweine enorm schlaue Tiere. Doch das können Fleischesser generell gut verdrängen... solange kein Vegetarier neben ihnen sitzt.

 

Quelle:http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-und-ernaehrung-warum-fleischesser-vegetarier-anfeinden

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© Silke Ruthenberg