Pädagogen: Hühner unterrichten ihre Küken

Forscher der Universität Bristol (England) haben Mutterhennen gelbe und blaue Körner angeboten, wobei die blauen einen Inhaltsstoff enthielten, der den Hühnern Übelkeit bescherte. Die Hennen lernten schnell, die unangenehmen blauen Körner zu vermeiden. Als sie später Küken hatten, wurden ihnen die gefärbten Körner erneut angeboten. Die Hennen zeigten sich augenblicklich um ihre Jungen besorgt und drängten diese von den blauen Körnern weg, um sie zu den gelben zu führen. Die Studie zeigt, dass Hühner eine Vorstellung davon haben, dass Übelkeit erregendes Futter auch ihre Jungen belasten könnte. 

Grund genug, Hühnern keine Übelkeit und keine Sorgen zu bereiten.

Taktisch klug: Hühner sind schlauer als Kleinkinder

Das Labor für Tierverhaltensforschung an der Macquarie University in Sydney erforscht die Intelligenz der Hühner. Man kam zu dem Ergebnis, dass Hühner imstande sind zu verstehen, dass kürzlich versteckte Gegenstände noch vorhanden sind. Menschliche Kleinkinder können das nicht.

Hühner können auch maßhalten, wenn es einem Zweck dient: Bei entsprechenden Experimenten erhielten Hühner eine Futterbelohnung, wenn sie sich bei der Essensausgabe eine halbe Minute zurückhielten. 90% der Hühner entschieden sich fürs Maßhalten und damit für den Jackpot. Hätten die Hühner keine Vorstellung von der Zukunft, so würden sie zu früh picken und die Futterbelohnung laufend verpassen.

In einer anderen Verhaltensstudie untersuchte man, ob Hühner ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis verstehen können. Verletzten Hühnern wurden zwei Futtersorten angeboten, wobei eines ein schmerzstillendes Mittel enthielt. Die Vögel verstanden rasch, dass das schmerzstillende Futter von Vorteil ist und bevorzugten dieses.

Grund genug, Hühnern die Rechte von Kleinkindern zu verleihen.

Da war doch was? - Foto: Angelina S........ / pixelio.de

Hühner haben sich viel zu sagen

Magst zum Essen kommen? Ich hab dicke Eier... - Foto: bagal / pixelio.de

Dr. Joy Mench, Professorin an der University of California in Davis, erforscht das differenzierte Sozialverhalten der Hühner und kam zu dem Ergebnis, dass die Tiere mehr als hundert andere Hühner persönlich erkennen und sich an sie erinnern können. Sie verfügen über mehr als dreißig Arten von Verständigungslauten. Ähnlich wie Primaten informieren sich die Vögel gegenseitig über Futterstellen. Hühner teilen ihren Artgenossen per Gackern mit, wenn sie ein Korn gefunden haben. Je nach Futterart wählen Hühner dafür bis zu zwanzig verschiedene Laute. So gackern die Hühner bei Mais anders als bei  Weizen. Dies ist der erste Nachweis inhaltlicher Unterhaltung bei Nicht-Primaten, erklärten die Wissenschaftler.

Apropos: wenn Hähne die Lust packt, dann locken sie Hennen mit dem Futterlockruf herbei. Ob das ein fieses Täuschungsmanöver oder menschenähnliches, gesellschaftliches Ritual ist, wissen nur Henne und Hahn.

 

 

Mitgefühl: Hühner sind überaus empathisch

Britische Forscher haben (neidvoll!?) herausgefunden, dass Hühner fähig sind, sich in andere Hühner einzufühlen. 

Die Forscher beobachteten in einer Studie das Verhalten von 32 Glucken und deren Küken. In einer festgelegten Testprozedur piesackten sie die Küken alle 30 Sekunden mit einem Luftstoß aus einer Druckdose. Die Hennen reagierten eindeutig auf ihr gestresstes Küken: Ihr Herz raste, die Temperatur von Augen und Kamm fiel ab, die Hennen hörten mit ihrer üblichen Federpflege auf und wurden aufmerksamer. 

Die gleiche Reaktion zeigten die Hennen, wenn sie selbst angepustet wurden - mit einem Unterschied: Nur wenn das Küken offensichtlich litt, fing das Herz der Hennen an, heftiger zu schlagen. Wurden die Muttertiere indes selbst mit einem Luftstoß traktiert, stieg ihre Herzfrequenz nicht an.

Die Reaktionen der Hennen zeigen, dass sie eine starke Sensibilität gegenüber der Befindlichkeit ihrer Küken besitzen, folgern die Forscher.

Grund genug, Küken und ihre Mamas nicht zu ärgern.

 

 

Muss ich mir schon wieder Sorgen machen ... - Foto: SueSchi / pixelio.de
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© Silke Ruthenberg