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Was sagen die Studien?

 

Das erste Massenexperiment zum Vegetarismus mit über drei Millionen Versuchspersonen fand - auf unfreiwilliger Ebene - während der alliierten Blockade - in Dänemark während des 1. Weltkriegs statt. Das Land war vollständig von Fremdimporten abgeschnitten. In diesem Jahr der strikten Lebensmittelrationierung auf vegetarische Kost ging die Todesrate um 34% zurück und sank auf den niedrigsten jemals gemessenen Wert. [4] Zu einem ähnlichen Resultat kam es während des zweiten Weltkrieges in Norwegen. Auch hier sank die Sterblichkeitsrate in dem Maß, wie Fleisch nicht mehr erhältlich war. [5]

 

Über den gesundheitlichen Wert (lakto-ovo-) vegetarischer Kost berichten heute schon die Gazetten. Ungezählte ernährungswissenschaftliche Studien auf der ganzen Welt kamen zu dem Ergebnis, dass Vegetarier länger leben (bis zu 10 Jahre) und dass sie vor allem gesünder alt werden. Die weltweit umfangreichste Vegetarierstudie mit 11.000 Personen wurde über einen Zeitraum von 12 Jahren durchgeführt. Man bezog in die Studie eine Kontrollgruppe mit ein, die außer ihrem Fleischkonsum weitgehend eine gleiche Lebensweise und einen gleichen sozialen Status wie die untersuchten Vegetarier hatte. In allen wesentlichen Punkten wiesen die Vegetarier bessere Werte auf, wie ein häufigeres Idealgewicht, niedrigere Blutdruck-, Blutfett- und Harnsäurewerte und bessere Nierenfunktionsleistungen. Die Sterberate war um 20 % und die Krebstodesrate sogar um 40 % niedriger als bei der fleischessenden Kontrollgruppe. [6]

 

In den 90ern befasste sich die Ernährungswissenschaftliche Fakultät der Universität Gießen in einer größeren Studie mit dem Gesundheitsstatus von Veganern. Der verantwortliche Professor, Dr. Claus Leitzmann, Ernährungswissenschaftler der Justus-Liebig-Universität, kam dabei zu folgendem Ergebnis: „(...) Studien mit Veganern, die weltweit, aber auch von uns, durchgeführt wurden, zeigen, dass Veganer im Durchschnitt deutlich gesünder sind als die allgemeine Bevölkerung. Körpergewicht, Blutdruck, Blutfett- und Cholesterinwerte, Nierenfunktion sowie Gesundheitsstatus allgemein liegen häufiger im Normalbereich. (...) Wenn alle Menschen veganisch leben würden, sähe es besser um die Gesundheit der Menschen, der Umwelt und der Gesellschaft aus. Es gilt, dieses Potential zu nutzen." [7]

 

Gift in der Nahrung

 

Unzählige Studien belegen heute die gesundheitlichen Gefahren, die von Milchprodukten, Eiern und Fleisch/ Fisch ausgehen können. Und dies hat nicht nur ernährungsphysiologische Gründe.
Schadstoffe haben die Angewohnheit, sich in Organismen zu speichern und von Trophieebene zu Trophieebene anzureichern. Je höher ein Lebewesen in der Nahrungskette steht, um so größer ist seine Schadstoffkonzentration. Dies spiegeln einige Studien sehr plastisch wieder.


Die Muttermilch von Vegetarierinnen und Veganerinnen ist zum Beispiel wesentlich weniger schadstoffbelastet als die von Gemischtköstlerinnen. So haben 97% der fleischessenden Frauen in der Muttermilch erheblich erhöhte DDT-Werte, aber nur 8% der Vegetarierinnen und nur 1,1% der Veganerinnen. Die Muttermilch von Vegetarierinnen und Veganerinnen enthielt sechs von sieben Schadstoffen in wesentlich geringeren Mengen. Tatsächlich war der niedrigste gemessene Wert bei Gemischtköstlerinnen immer noch höher als der höchste bei Vegetarierinnen. Insgesamt beträgt die Schadstoffbelastung der Muttermilch von Vegetarierinnen nur 1-2% von der der Gemischtköstlerinnen. [8] Das betrifft auch Pestizide, das üblicherweise mit Gemüse in Verbindung gebracht wird. Der Pestizidgehalt im Fleisch ist ca. 14 mal höher als in pflanzlicher Kost, Milchprodukte enthalten 5 1/2 mal mehr. [9]


In den USA werden heute 80 Prozent aller Pestizide für die Behandlung von Mais und Sojapflanzen einsetzt, die hauptsächlich als Futtermittel dienen. [10] Rindfleisch steht an zweiter Stelle auf der Liste der krebserregenden Nahrungsmittel aufgrund des Pestizidgehaltes. [11] Kein Nahrungsmittel enthält mehr Herbizide, bei Insektiziden steht Rindfleisch an dritter Stelle. [12]


In der modernen Tierhaltung werden zudem Unmengen Medikamente und Antibiotika als Masthilfe und zur Verkürzung der Krankheitsdauer eingesetzt. Kein Land in Europa setzt dabei auch nur annähernd so viel Antibiotika in der Tiermast ein wie Deutschland - 2011 waren es 1,7 Millionen Kilogramm. 

Tiere in Massentierhaltungen sind extrem krankheitsanfällig und Krankheiten breiten sich in der drangvollen Enge auch besonders leicht aus. Die Folge: Antibiotikaresistenzen und Allergien beim Menschen, die sich mittlerweile schon zu einem ernsten Problem bei der Krankheitsbekämpfung entwickeln. Studien ergaben, dass bei bis zu 50% des Hühner- und Rindfleisches mindestens ein Antibiotika nachgewiesen werden konnte.[13]

Die Zeitschrift Öko-Test hat im März 2005 sogar in jedem dritten untersuchten Schnitzel Keime gefunden, die Resistenzen entwickelt hatten. Und zwar gleich gegen mehrere Wirkstoffe - ein Zeichen dafür, dass in großem Stil gegen die Vorschriften verstoßen wurde und Antibiotika oft im Einsatz waren. [14]

 

Unzählige Studien belegen mittlerweile den positiven Einfluss von vegetarischer und veganer Ernährung auf die Gesundheit des Menschen. Dieses Wissen ist allerdings wirtschaftlich nicht gewünscht (und in Zeiten leerer Rentenkassen womöglich auch nicht volkswirtschaftlich). Der Amerikaner John Robbins schilderte in seinem für den Pulitzer-Preis nominiertem Klassiker „Diet for a New America" eindrucksvoll, wie vehement und erfolgreich sich die Fleisch- Milch- und Eierindustrie mit gezielten Falschinformationen und Verwirrspielen bemüht, die Verbreitung dieser Erkenntnis zu verhindern.[16] und das geht zum Beispiel so:

 

Anti-Vegan-Studien: Ein Beispiel

Auch die Anti-Veganer haben ihre wissenschaftliche Studien, mit denen sie nachweisen wollen, dass Fleisch und/ oder Milch für die menschliche Ernährung unerlässlich sind. Wie das funktioniert, soll folgendes Beispiel verdeutlichen, das Mitte 2005 durch die Medien geisterte:

London, 15. März 2005 (AIZ). - Fleisch und tierisches Eiweiß sind nach einer neuen Ernährungsstudie wichtig für die Entwicklung von Kindern. Ohne solche Lebensmittel bleiben Kinder demnach kleiner, schwächer und weniger intelligent. Die Ergebnisse der Ernährungsstudie, bei welcher 544 kenianische Grundschulkinder untersucht wurden, sind laut dem Nachrichtendienst AP so eindeutig, dass Untersuchungsleiterin Lindsay Allen von der kalifornischen Universität Davis es als „unverantwortlich" bezeichnete, Kinder rein vegan - also ausschließlich pflanzlich - zu ernähren. Während der zweijährigen Studie wurden die durchschnittlich sieben Jahre alten Jungen und Mädchen in vier Gruppen aufgeteilt. Die Kinder der jeweiligen Gruppe erhielten zusätzlich zu ihrer normalen Verköstigung täglich entweder etwa 60 g Fleisch, eine Tasse Milch, Pflanzenöl oder keine zusätzliche Ergänzung. Nach Ablauf der zwei Jahre hatten die Kinder, die zusätzlich Lebensmittel erhielten, durchschnittlich 400 g mehr zugenommen als diejenigen ohne Ergänzung. Im Vergleich zu diesen hatten diejenigen Jungen und Mädchen, die zusätzlich Milch bekamen, eine um 40% vergrößerte Oberarmmuskulatur und diejenigen, die Fleisch erhielten, sogar eine um 80% ausgeprägtere. Die mit Fleisch versorgten Kinder schnitten auch in Intelligenz- und Mathematiktests besser ab als ihre Altersgenossen. „Die Gruppe, welche die Fleischergänzung erhielt, war auf dem Spielplatz aktiver, beredsamer und verspielter und zeigte mehr Führungseigenschaften", berichtete Allen laut dem Magazin „Nature" kürzlich auf einer Fachtagung in Washington.

 

Man muss kein Ernährungswissenschaftler sein, um die Unseriösität dieser Studie bzw der Schlussfolgerung daraus zu entlarven:

1. Die „normale Ernährung" der kenianischen Kinder besteht aus Mais und Bohnen. Die ist zweifelsfrei vegan, aber vegane Ernährung setzt sich eben nicht nur aus Mais und Bohnen zusammen, sondern beinhaltet die gesamte Palette pflanzlicher Lebensmittel, also auch Obst, Gemüse, Getreide, Nüsse und Samen.

2. Der Unterschied zwischen den einzelnen Gruppen ist demnach nicht pflanzlich - vegetarisch - omnivor, sie unterscheidet sich lediglich in der Breite der Lebensmittelauswahl.

3. Die kenianische Kost ist mit zwei Grundbestandteilen viel zu einseitig, Das gilt für eine abwechslungsreiche vegane Kost eben nicht. Deshalb ist die einzige Schlussfolgerung, die man aus dieser Studie ziehen kann die, dass kenianische Kinder üblicherweise mangelernährt sind.

4. Es muss zudem betont werden, dass von den drei durchgeführten Tests nur einer für die Fleisch-Gruppe günstige Ergebnisse brachte. Bei den beiden anderen ergab die Ernährung ohne tierische Produkte (aber mit Pflanzenöl) die besten Resultate. Bei allen drei Testmethoden hatte die Milchgruppe die schlechtesten Ergebnisse, in einem Fall sogar schlechter als die Kontrollgruppe.

5. Wen wundert es, dass diese Studie von der Agrarindustrie in Auftrag gegeben wurde: This research was supported by the GL-CRSP though the Office of Agriculture of the United States Agency for International Development under Grant No. PCE-G-00-98-00036-00 to the GL-CRSP. The project was partially supported by the National Cattleman's Beef Association

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© Silke Ruthenberg