Krieg und Frieden

Vegane Ernährung fördert den Frieden auf der Welt und das in mehrfacher Hinsicht. Vegan steht für ein Ende des einseitigen Krieges der Menschen gegen Rinder, Schweine, Hühner, Enten, Gänse, Fische und Krabben. Vegan steht für Respekt vor dem Lebensraum der Anderen. Vegan steht auch für weniger Grund für Kriege unter den Menschen, weil es ressourcenschonender ist. Und vielleicht macht vegan auch generell friedlicher. Wissenschaftler haben es jedenfalls nachgewiesen.

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„Ein Land, das ursprünglich groß genug war, um alle seine Bewohner ausreichend mit pflanzlicher Kost zu ernähren, wird durch den Fleischverzehr und die dadurch erforderlichen Weideflächen plötzlich zu klein, weshalb wir in den Krieg ziehen müssen, um uns andere Länder untertan zu machen."

Plato, griechischer Philosoph 427-347 v.Chr.)

 

Keine zwei Nationen, die beide ein McDonalds-Restaurant besitzen, haben je gegeneinander Krieg geführt", behauptete 1996 ein Autor namens Thomas Friedman in der angesehenen New-York-Times. Das ultimative Rezept für den Weltfrieden nennt Friedmann deshalb die „Pax BigMac". Fastfood-Fleisch als Friedensstifter.

Freilich: diesen Schluss kann man aus dieser Tatsache, sofern sie denn überhaupt stimmt, schließen. Muss man aber nicht.

Ganz im Gegenteil gibt es viele Hinweise, dass die Verbreitung des BigMacs im Gegenteil ein guter Grund und häufiges Motiv ist, einen Krieg anzuzetteln. Dafür hat es bei Herrn Friedmann bei seinen scharfsinnigen Gedankenspielen leider nicht gereicht.

 

Dabei hätte ihm ein Blick in die Vergangenheit zeigen können, dass der Hunger auf Fleisch nicht gerade die friedliche Koexistenz der Völker gefördert hat. Die Geschichte der Menschheit ist eine Kette von Territorialkriegen, Vertreibungen und Zerstörungen im Kampf um neue Weideflächen für das Vieh. Weidewirtschaft und Fleischkonsum sind seit jeher eine Hauptursache für kriegerische Auseinandersetzungen der Völker. Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Prof. Jeremy Rifkin hat 1994 in einer brillanten Analyse (Beyond Beef) eine Fülle von Daten zusammengestellt, die belegen, dass der Hunger auf Fleisch und die damit verbundene Suche nach mehr Weideland kriegerische Auseinandersetzungen schon vor vielen Tausenden von Jahren provozierte.

 

Dschingis Khan und die Eroberung von Weideland
Zwischen 4400 und 4300 v.Chr. schwärmten eurasische Stämme auf der Suche nach Weideland nach Indien, Persien und Europa aus. [1] Im 12. und 13. Jahrhundert eroberte Dschingis Khan und seine Enkel und Nachfolger weite Teile Chinas. Der Einfluss der Steppenvölker formte das Gesicht Europas während einer 3000 Jahre währenden Periode von Eroberungskriegen und brachte die Weidekultur und die Waffen des Krieges. [2]

 

Koloniale Weideländer
Die Vorliebe der Engländer für Fleisch beeinflusste auch die britische Kolonialpolitik. Im 17. Jahrhundert sah sich die britische Regierung gezwungen, nach neuem Weideland Ausschau zu halten. Schottland und Irland wurden die ersten kolonialen Weideländer, es folgten zwei Jahrhunderte später die nordamerikanischen Prärien, die argentinischen Pampas und schließlich Neuseeland und das australische Hinterland. Während die Iren hungerten und verhungerten, diente 50% der gesamten Landesfläche und zwei Drittel seiner Mittel der Viehzucht, die den englischen Fleischbedarf zu 30% deckten. [3]


Amerikanische Weideländer
Die Eroberung Amerikas und die Vernichtung der indianischen Ureinwohner nebst Ausrottung der Büffel wurde angetrieben von dem Ziel, die Wide Plains mit spanischen Langhornrindern zu besiedeln. Rinderzucht und Sklavenhandel spielten die entscheidende Rolle bei der Besiedelung von Nord- und Südamerika. 1924 wurden 80 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Chiles von weniger als 3 Prozent der Viehzüchter des Landes kontrolliert.[4] Auch in anderen südamerikanischen Staaten hatten die Viehzüchter das Sagen. Hierarchische Viehzüchtergesellschaften überzogen die Gesellschaft, insbesonders die Einheimischen mit Gewalt und Zerstörung.

 

Die Sache mit dem Öl

Die Verletzung von Menschenrechten oder der Bau von Massenvernichtungswaffen werden heute vorgeschoben, wenn es um die Rechtfertigung von Angriffskriegen geht. Aber es ist kaum jemandem verborgen geblieben, dass es dabei tatsächlich um knallharte wirtschaftliche Interessen geht. „Kein Blut für Öl" hieß der Slogan der Anti-Golfkrieg-Demonstrationen sehr treffend.

Und wofür wird das Öl benötigt? Zum großen Teil in der Landwirtschaft, konkreter: in der Viehwirtschaft. Um ein Pfund Rindfleisch zu erzeugen, wird in den Mastbetrieben der USA fast 4 Liter Treibstoff verbraucht. [5] 54 Kalorien an fossilen Brennstoffen müssen eingesetzt werden, um eine Kalorie Rindfleisch zu erzeugen, das sind 27 mal soviel wie bei Sojaeiweiß. [6]

 

Die Wirtschaftswissenschaftler Fields und Hut rechnen vor: „Eine landesweite Umstellung auf eine Kostform, die hauptsächlich aus Vollgetreide und frischem Obst und Gemüse bestehen - plus einer Exportbeschränkung von unnötigen fetthaltigen Nahrungsprodukten - würde unseren Bedarf an importiertem Öl um 60% senken. Außerdem würde unser Vorrat an erneuerbaren Energiequellen, wie Holz und Wasser, um 120 und 150% steigen. [7]

 

„Sollte sich eines Tages ein dritter Weltkrieg an Nord-Süd-Konflikten entzünden, so wäre mit ziemlicher Sicherheit ein Landkonflikt über Rinderhaltung mit im Spiel. Der Norden könnte durch eine Verminderung des Fleischkonsums gewaltig zur Entspannung der Weltlage betragen", schreibt Ernst U. von Weizsäcker in seinem Vorwort zur deutschen Übersetzung von „Beyond Beef".

 

Afrikas Kriege um Weideland
Und immer noch schlagen sich die im Elend Lebenden gegenseitig die Köpfe ein. Der Streit um Weideland mündeten im letzten Jahrzehnt in den Halbwüsten und Trockensavannen von Dafur im westlichen Sudan in einen offenen Krieg - mit mehreren Tausend Toten, mehr als zwei Millionen Vertriebenen und ohne Aussicht auf ein baldiges Ende [8]


Das Aushungern der Entwicklungsländer geht ans Existenzielle und Ungerechtigkeiten waren schon in der Vergangenheit ein Pulverfass. Sie gebiert Gewalt im Kleinen wie im Grossen. Fanatismus und Terrorismus sind die Kinder von unerträglicher und dauerhafter Ungerechtigkeit.
Die Aufhebung dieser Ungleichverteilung durch eine Abkehr herkömmlicher Lebensgewohnheiten mögen vor diesem Hintergrund als eine tiefgehendere Maßnahme gegen die Bedrohung des Terrorismus darstellen als alle internationalen Verfolgungsmaßnahmen möglicher Täter und die Bespitzelung der ganzen Welt.


Und noch ein Gesicht von Gewalt

 

„Solange es Schlachthäuser gibt wird es

Schlachtfelder geben."

 

Tolstois Aphorismus kann auch noch vor einem anderen Hintergrund interpretiert werden: Die Gewalt von Menschen gegen Menschen und andere Tiere hat einen gemeinsamen Ursprung. Schon Kant erkannte die verrohende Wirkung von Tierquälereien auf die Psyche des Menschen, und verurteilte sie - wenn auch nur - deshalb!

Auffällig scheint in diesem Zusammenhang, dass 80% der verurteilten Gewalttäter, Mörder und Vergewaltiger in ihrer Jugend Tiere gequält haben.

Warum also sollte eine Gesellschaft, die es fertigbringt, systematisch und hemmungslos auf den Knochen von Tieren zu leben, Rücksicht auf andere Völker nehmen? 

Aggression ist eßbar

Foto: Dieter Poschmann / pixelio.de

Einer amerikanischen Studie zufolge macht Fleischessen aggressiv.

Eine vierjährige Studie am Washintoner Phia-Institut weist nach, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen sozialem Verhalten und Essverhalten gibt. Danach kann regelmässiger, einseitiger Fleischkonsum zu Aggressivität führen. Tests ergaben, dass Fleischesser eine geringere Hemmschwelle haben Gewalt auszuüben als Vegetarier. Sie zeigten eine weitaus geringere soziale Kompetenz und wiesen erheblich mehr Verhaltensmängel auf wie Destruktivität, übersteigerte Reizbarkeit und kognitive Mängel beim Bewerten einer frustrierenden Situation. Physiologisch steckt ein Mangel am Hirnbotenstoff Serotonin dahinter. Je mehr und regelmässiger Fleisch gegessen wird, desto schlechter scheint die Serotonin- Produktkon zu funktionieren.

Zum Abschluss der Forschungsarbeiten wurde eine Studie in einem amerikanischen Hochsicherheitstrakt durchgeführt. Die dort Inhaftierten wurden schrittweise auf eine fast vegetarische Diät gesetzt. Die tägliche Gewalt im Gefängnis- Messerstechereien, Prügeleien, Mordversuche- gingen dabei um 20 Prozent zurück, während die Serotonin-Werte stiegen.
Vegane Ernährung kann vor diesem Hintergrund als ein psychologischer und vor allem politischer Beitrag zum Weltfrieden und generell zur zwischenmenschlichen Gewaltfreiheit gesehen werden.

QUELLENNACHWEIS:

1 Jeremy Rifkin, Das Imperium der Rinder, Frankfurt/ Main, 1994, S. 124

2 Jeremy Rifkin, Das Imperium der Rinder, Frankfurt/ Main, 1994, S. 37

3 Jeremy Rifkin, Das Imperium der Rinder, Frankfurt/ Main, 1994, S.  63

4 Slatt 1990, Richard W., Cowboys of the Americas, New Haven, 1990

5 Alan B. Durning, Cost of a Bef for Health and Habitat, in Los Angeles Times, 

21.6. 1986, V3

6 Pimentel, David & Marcia, Food, Energy and Society 1979, S. 59

7 Hur, Robin & Fields, David: „How Meat Robs America of its Energy“, 

in Vegetarian Times, April 1985

8 Süddeutsche Zeitung, 2.11.06, S. 13 

 

 

 

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© Silke Ruthenberg