Von Wäldern und Wüsten

Nichts auf der Welt beansprucht mehr Fläche als das Verlangen nach Fleisch, Milch und Eiern. Dieses Verlangen frisst sich in die Restnatur hinein, in die Savannen und Wälder und sie hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Dass die Wälder schwinden und die Wüsten wachsen ist das Werk einer Welt, die nach dem toten Tier auf dem Teller verlangt. Als Veganer schützt du Klima, Wald und die vielen Tiere, deren Lebensraum durch Fleisch vernichtet wird.

Rainer Sturm/ pixelio - www.pixelio.de

Fleisch frisst Wälder

 

Tiere in Schnitzel und Braten zu verwandeln ist platzintensiv, auch wenn die betroffenen Tiere von diesem Platz nichts abbekommen. Aber sie müssen ernährt werden und das braucht Raum. Viel Raum. 30% der globalen Fläche werden für die "Viehzucht" genutzt, das ist die mit großem Abstand größte Landnutzung weltweit.

60 % allen Getreides und 70 % aller Ölsaaten werden in Deutschland verfüttert. Doch zu den folgenreichsten Landnutzungsänderungen gehört die Rodung von tropischen Regenwäldern, um die gerodeten Flächen dann als Weide oder Anbaufläche für Futtermittel zu nutzen. Mit dramatischen Folgen.

 

Seit 1960 sind 20 Prozent der südamerikanischen Urwälder gerodet worden, um Weideflächen zu schaffen. In Mittelamerika sind es zwei Drittel. Die tropischen Regenwälder sind die ältesten Ökosysteme der Erde und erzeugen einen großen Teil des Sauerstoffs. Sie sind die Heimat der Hälfte aller Spezies, die auf der Erde leben.

 

Ende der 70er Jahre diente 2/3 der landwirtschaftlichen Nutzfläche Mittelamerikas als Weideland für Rinder und andere „Nutztiere", die größtenteils für den Export an Nordamerika bestimmt waren. [1] Seit 1960 wurde knapp ein Fünftel des Waldes abgeholzt, mehr als zweimal die Fläche von Deutschland. Wenn der Kahlschlag im selben Tempo weitergeht, wird bis 2050 fast die Hälfte des brasilianischen Regenwalds vernichtet sein. [2] Für einen einzigen Hamburger müssen vier bis fünf Quadratmeter Regenwald in Weide- oder Ackerland umgewandelt werden, das in 2 bis 5 Jahren zur Wüste wird. [3]

 

Verwüstung

 

Der ungeheure Platzbedarf der „Vieh"industrie führt weltweit neben der Zerstörung der Regenwälder und in der Folge zum Artensterben der Pflanzen und Tiere, denen er Heimat war, auch zur fortschreitenden Ausbreitung der Wüsten. Es ist kein Wunder, dass die am stärksten von der Verwüstung bedrohten Gebiete ohne Ausnahme „Vieh"zuchtregionen sind. 29 Prozent der gesamten Landmasse ist von der Desertifikation betroffen. [4] Jedes Jahr gehen 600.000 Hektar fruchtbaren Landes durch die fortschreitende Wüstenbildung verloren. [5] Mehr als 230 Millionen Menschen sind in Gegenden beheimatet, in denen die Desertifikation so weit fortgeschritten ist, dass das Land seine Bewohner nicht mehr ernähren kann. [6] Ohne Ausnahme sind alle bedrohten Gebiete Viehzuchtregionen. Mehr als 60 Prozent der Steppengebiete wurden im Laufe der letzten 50 Jahre durch Überweidung zerstört. [7|

 

Mehr als die Hälfte der Landfläche Ostafrikas werden als Weideland genutzt. Bedingt durch die Kolonialmaßnahmen wuchsen die Rinderbestände gebietsweise sogar um das sechsfache an. Die Nomadenstämme waren gezwungen, ihre Herden zu vergrößern und überzählige Rinder zu verkaufen, um zu überleben.

In Kenia, Swasiland, Simbabwe und Botswana hat sich die Rinderzucht zu einem beachtlichen Wirtschaftszweig entwickelt, um sich einen größeren Teil am europäischen und internationalen Fleischmarkt zu sichern. Stacheldrahtzäune ziehen sich über hunderte Kilometer durchs Land, verändern das Wanderverhalten der Wildtiere und verwehren ihnen den Zugang zu Wasserstellen. Zehntausende Wildtiere verhungern und verdursten oder verbluten im und am Stacheldraht, weil sie verzweifelt versuchen, ihn zu überwinden. Mehr als 50 Prozent der Landfläche Ostafrikas werden als Weideland für 23 Millionen Rinder genutzt. [8]

 

Die steigende Anzahl von Rindern und die Konzentration um künstlich angelegte Brunnen hat katastrophale ökologische Folgen. Diese Brunnen durchlöchern den Kontinent, um die Rinderherden mit Wasser zu versorgen und treiben die Verwüstung immer weiter voran. Im Sudan ist der Boden im Umkreis von 20 bis 40 Kilometern um die Wasserreservoire vollkommen versandet. Die Sahara frisst sich an ihrem südlichen Rand mit der Geschwindigkeit von 50 Kilometern im Jahr in ehemals fruchtbare Landstriche hinein. Hinzu kommt die Bodenerosion in Folge des Futtermittelanbaus. Davon ist auch der reiche Norden betroffen.

 

Humusverlust

 

Durch Raubbau und Überweidung ist die Humusschicht in Iowa, das einst als das fruchtbarste Ackerland der Welt galt, um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Das gesamte Ackerland in den USA, das vor 200 Jahren noch 50 cm Humusschicht aufwies, hat fast ein Drittel seiner Tiefe verloren, in manchen Gegenden reicht er nur noch 15 cm tief. [9]

 

Schätzungen gehen davon aus, dass 80-90% des Humusverlustes und damit der Verwüstung fruchtbaren Landes auf Kosten der Weidewirtschaft und der Futtermittelproduktion gehen. Das Worldwatch Institute hat errechnet, dass für jedes Steak aus einem Rindermastbetrieb etwa 15 kg Mutterboden zum Opfer fallen.

Dem jährlichen Verlust von 25 Milliarden Tonnen Mutterboden weltweit entspricht ein Rückgang der Ernteerträge um 6 Prozent, das sind 9 Millionen Tonnen Getreide im Jahr. [10] Vegetarische Nahrung hngegen fordert dem Boden nur 5% von dem ab, was für die Produktion tierischer Lebensmittel benötigt wird.

 

Artensterben

 

Verbunden mit der nachhaltigen Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen ist ein dramatisches Artensterben. In den USA ist die Weidewirtschaft die größte Bedrohung für Pflanzenspezies. Drei von fünf bedrohten Pflanzenarten gehen auf Kosten der Viehwirtschaft.

 

Hauptursachen des Artensterbens

 

Landwirtschaft/ Gülledüngung 78%

Jagd, Fischerei, direkte Verfolgung

von empfindlichen Arten 12%

Industrie 3%

Verkehr 2%

Bau- und Siedlungstätigkeit 2%

andere 3%

 

Die Schaffung von Weideland war die Ursache für den großangelegten Feldzug gegen die heimischen Raubtiere in den westlichen Prärien der USA. Die Massenabschlachtung der Raubtiere führte in der Folge zu rasanten Vermehrung von Nagetieren, die man mit vergifteten Getreide bekämpfte, sowie einer sprunghaften Vermehrung von Insekten, die mit Insektiziden bekämpft wurden und die ihrerseits zur Verwüstung des Landes beitrugen. Heute sind weite Teile der westlichen Prärien zerstört.

QUELLENANGABEN:

1Revista de Biologia Tropical, Nr. 24, Beilage 1, 1976, 124

2Rainer Stadler, Süddeutsche Zeitung Magazin, 24.8.06

3Körner oder Keule. Ein Artikel aus DIE ZEIT Nr. 25, 14. Juni 1996

4World Commission on Environment and Development 187, 127

5Walther H. Corson (Hrsg.), The Global Ecology Handboog, Boston, 1990,S. 77

6Ehrlich/ Ehrlich,The Population Explosion 1990, Seite 127

7Robert Repetto, Renewable Resources an Population Growth: Past 

Experiences and Future Prospekts, in Population and Invironment 10:3, 1989

8Klaus Meyn, Beef Produktion in East Africa, München 1970 

9Ox/ Wiswall 1989, S. 29, Francis Lappé, Diet for a Small Planet 1982, S. 80)

10Brown et al, 1990, 60

 

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© Silke Ruthenberg