Menschenrechte für Menschenaffen

Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Diese Regel gilt auch für Menschenaffen. Im Dezember 2014 sorgten zwei Urteile für internationale Aufmerksamkeit. Es ging um die Anwendung elementarer Menschenrechte auf andere Menschenaffen. Argentinien setzte Zeichen, die USA versagte auf ganzer Linie. 

Revolution im Tierrecht: Orang Sandra darf Person sein

Die argentinische Anwaltsvereinigung Afada hat kurz vor Weihnachten 2014 für ihre Mandantin Sandra mit ihrer Habea-Corpus-Klage vor einem argentinischen Gericht die Freilassung erwirkt.

Sandra wurde 1986 in Rostock geboren und lebt seit 1994 in einem Gefängnis in Buenos Aires in Einzelhaft. Mit Eintritt der Rechtskraft des Urteilswird die Gefangene in ein brasilianisches Schutzgebiet umgesiedelt werden.

Das Besondere: Sandra ist eine Orang-Utan-Frau. Bei ihr wurde erstmals das Recht auf Haftprüfung über Artgrenzen hinweg angewendet. Der Orang-Utan sei zwar biologisch nicht identisch mit dem Menschen, wohl aber emotional, argumentierten die Juristen. Sandra müsse deshalb als Person und nicht als Sache angesehen werden. Das Leben des Orangs im Zoo sei eine "ungerechtfertigte Gefangenschaft". 

 

"Das eröffnet nicht nur für Menschenaffen neue Möglichkeiten, sondern auch für andere fühlende Wesen, die unfair und willkürlich ihrer Freiheit in Zoos, Zirkussen, Wasserparks und Laboratorien beraubt wurden", zitiert die Zeitung "La Nación" den Afada-Anwalt Paul Buompadre.

 

Erst vor wenigen Tagen scheiterte in New York eine entsprechende Klage für drei Schimpansen. Hier weigerten sich die US-Richter, den Personenbegriff auch auf Nichtmenschen anzuwenden mit einer hahnebüchenen Begründung, die Rechte an die Fähigkeit knüpft, Pflichten zu übernehmen (wir berichteten hier auf dieser Seite). Bereits 2008 versuchten Aktivisten in Österreich, dem Schimpansen Hiasl zu Rechten zu verhelfen. Der Fall landete 2010 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wo er wegen eines Formalfehlers abgelehnt wurde. 

 

Wir gratulieren der Initiative für ihren Erfolg vor Gericht und bedanken uns von Herzen bei den Richtern für den Akt wahrer Gerechtigkeit. Unsere Freudentränen gelten Sanda, dem Opfer lebenslanger Gewalt, auf dass sie ihre letzten Lebensjahre unter würdigen Verhältnissen verbringen darf. 

Das argentinische Urteil ist ein großer Schritt für ein echtes Recht für nichtmenschliche Tiere, das diese Bezeichnung auch verdient und es zeigt die Richtung auf, in die alle Veganer und Tierrechtler blicken sollten: nicht ein besseres Tierschutzgesetz als gönnerhaften Gnadenerweis sind wir den Tieren schuldig. Tiere sind Personen, denen wir endlich die verweigerten Grundrechte zurückgegeben werden müssen, die wir für uns selbst ganz genauso selbstverständlich in Anspruch nehmen, wie wir sie den anderen Arten bisher verweigern. Darunter geht nichts.

Warum? Lies  hier

 

 

Gerichtsurteil in den USA:

Wir geben Euch Brüdern keine Menschenrechte. Weil wir es können!

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Freitag, 05. Dezember 2015

Vor einem US-Gericht im Bundesstaat New York scheiterte eine Klage des Nonhuman Right Project, die den inhaftierten Schimpansen Tommy, Kiko, Hercules und Leo die Befreiung aus unwürdigen Haftbedingungen bringen sollte.  Die Vertreter der Schimpansen stellten bei der Klage auf geltende Menschenrechtsbestimmungen ab und argumentierten, dass Schimpansen als Personen zu betrachten sind, weil sie etwa 99% des Erbgutes mit Menschen teilen. Damit würden die Gesetze des Habeas Corpus Act auch für sie gelten.

 

Das Gericht folgte der Argumentation der Kläger freilich nicht, denn wer in den Sphären der Gerichtsbarkeit was werden will, muss sich zunächst durch makellose Systemanpassung und Feigheit hervortun.

Mit Intelligenz hat das alles nicht zu tun, das können wir uns endgültig abschminken, denn mit einer solchen käme auch nicht eine so hirnrissige Argumentation im Urteil heraus: „Ein Schimpanse ist keine „Person“ im Sinne des Habeas Corpus Act““, so verkündeten die Richter in Albany. „Die Unfähigkeit zu jeglicher rechtlicher Verantwortlichkeit und zu gesellschaftlichen Pflichten“ oder einer „Übernahme von Verantwortung“ machten es unmöglich, Schimpansen Rechte zuzusprechen, wie sie Menschen zustünden.

 

Drei Dinge sind in Ohnmacht zumindest festzuhalten:

1. Die Richter gehören der Gattung weiser, achsoweiser Mensch (schenkelklopf!) an. Sie sind – wenn sie über dumme, achsoprimitive Schimpansen urteilen – Richter und Partei in einer Person. Ein rechtstaatliches Unding!

 

2. Da spricht wer von Verantwortung. Diesen Richtern geht sie ab, soviel ist sicher, aber auch kleinen Menschenkindern, dementen Greisen, schuldunfähigen Kriminellen und harmlosen Verrückten. Soll hier also was Schreckliches vorbereitet werden? Müssen wir nun die völlige Entrechtung unserer hilflosesten Artgenossen befürchten? Höchste Zeit für eine Gesinnungsprüfung und weg mit solchen verantwortungslosen Gesellen aus verantwortungsvollen Positionen! Die sind gemeingefährlich und dieses Urteil  und seine Begründung hat sie entlarvt.

 

Und schließlich 3.: Der genetische Unterschied zwischen Tommy, Hercules, Leo und Koko und den Richtern in A.  liegt überwiegend im Hoden, nicht im Hirn – das haben Forscher rausgefunden.  Man hätte eigentlich das Gegenteil angenommen, bei solchen Urteilen.

 

Die genetische Verwandtschaft von Schimpansen und Menschen ist übrigens größer als die von zwei Gibbonarten und deshalb gilt nach den Regeln der Biologischen Klassifizierung, dass beide entweder Menschen (homo) oder Schimpansen (pan) sind.  Wir empfehlen die Zuordnung zum homo, wobei die Zuordnung zum Schimpansen den Vorteil hätte, derartige stumpfsinnige Richter fortan in Käfige einsperren zu können. Viel Elend könnte verhindert und dem eigenen Ekel ein Ablauf verschafft werden.

Womöglich liegt es aber gar nicht an der Art, sondern am Geschlecht? Als Frau stehe ich genetisch jedenfalls Schimpansinnen meist näher als Menschenmännern. Ein tröstlicher Gedanke.  

SR

 

Anmerkung:

Das Nonhuman Rights Project setzt sich für den Schimpansen Tommy ein, der in dem Ort Gloversville im Bundesstaat New York in einem Käfig in einem Käfig einsitzt und für den 26-jährigen Kiko, den Privatleute in der Stadt Niagara Falls bei sich im Haus halten. Außerdem kämpft sie für die Freiheit der Schimpansen Hercules und Leo, an denen ein Forschungsinstitut in der Nähe der Metropole New York Experimente durchführt. 

 

 

Seit 20 Jahren versucht ein Zusammenschluß von Rechtswissenschaftlern, Psychologen, Verhaltensforschern und Philosophen, den ideologischen Graben zwischen Menschen und allen anderen Tieren zu überbrücken, indem sie Menschenrechte für Menschenaffen fordert.

Sie argumentieren hierbei mit der enormen Ähnlichkeit des Menschen zu den anderen Menschenaffen und leiten daraus ab, dass Grundrechte auch für Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans zu gelten habe bzw. konstituiert werden müssen. 

Das Projekt kann auch als Türöffner verstanden werden: Die zwingenden und offensichtlichen Gründe, die für Menschenrechte für Menschenaffen sprechen und die verhältnismäßig geringen dagegen stehenden wirtschaftlichen Interessen implizieren die Hoffnung, dass diese Forderungen eher leicher durchgesetzt werden können. Dies hätte womöglich Ausstrahlungskraft auch für andere Tierarten.

 

 

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© Silke Ruthenberg