7 Gründe, warum der Verweis auf die anderen Tiere nichts taugt, wenn man sein eigenes Kannibalentum rechtfertigen will.

Überlebenschance Raubtier: 90%, Mensch 0% Foto: SDHR - Fotolia.com

1.

Die Natur ist nicht so grausam wie behauptet. Bei Huftieren und Hasenartigen machen Raubtiere nur 10% aller Todesfälle aus. Der Fressfeind Mensch ist gründlicher: 100% seiner Futtertiere fallen ihm zum Opfer. Sein System kennt kein Entkommen. Allein die absolute Chancenlosigkeit der menschlichen „Beute“ lässt keinen Vergleich zu. Sie macht aus der Tötung das Mordverbrechen, weil sie die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausnutzt.

2.

Die Natur ist einfach ein schlechtes Vorbild, wenn ethische Fragen im Raum stehen. Das haben wir doch von den Faschisten gelernt, wohin es führt, wenn wir das Recht des Stärken zum Maßstab für unser Verhalten machen. Schimpansen morden gelegentlich auch ihre Kollegen. Löwen bringen die Babys ihrer Angebeteten um. Bei den anderen Tieren gibt es auch Vergewaltigungen und sogar Kriege, ganz abgesehen davon, dass sie sich gegenseitig auch handfest betrügen. Es kann einem ja Angst und bange werden, wenn Du die Natur zum Vorbild nimmst und vor allem, was für Dich dort vorbildhaft ist.

Er isst andere Tiere. Na und? Das berechtigt und verpflichtet zu nichts. FOTO: paukereks/ pixelio.de

3.

Und was sagt das schon aus: Tiere essen auch Tiere. Deskriptive Ethik ist kein Argument, sie tut nur so. Sie beschreibt den Ist-Zustand. Daraus ergibt sich nicht, dass es gut ist, weil es so ist. Die (vermeintliche) Tatsachenbeschreibung ist nur eine Beschreibung von Tatsachen und ein manipulativer,  rhetorischer Trick, um sich vor der Diskussion zu drücken, indem man auf den menschlichen Reflex drückt, sich den herrschenden Realitäten anzupassen. Die Überzeugungskraft liegt nicht im Argument sondern in seiner psychologischen Kraft. Man soll für dumm verkauft werden.

Ein Urahn von mir wurde von einem Tiger leben gelassen. Warum schaffst Du es nicht, anständig zu sein? FOTO: jody snelgrove - fotolia.com

4.

Und auch die anderen Tiere sind offenbar nicht so wirklich verdammt zum Töten. Sogar ausgesprochene Raubtiere können anders und tun es sogar manchmal. Schon Plutarch wusste davon eine Geschichte zu erzählen: „Ein Tiger, dem man ein junges Zicklein gegeben hatte, fastete zwei Tage lang, ohne dasselbe anzurühren; am dritten Tag, als der Hunger übermächtig wurde, verlangte er so ungestüm nach Nahrung, dass er den Käfig zerbrach, in dem er eingesperrt war: Das Zicklein rührte er auch jetzt nicht an."

Auch heute berichten die Medien immer wieder von erstaunlichen Fällen von Moralität der Raubtiere gegenüber ihrer Beute. Eine Auswahl und noch mehr Anekdoten.

5.

Und was die Natürlichkeit betrifft ist der Mensch ein Generalist und überaus anpassungsfähig wie die Ratten auch. Die Vorstellung vom Mensch als Jäger ist ein wissenschaftlich nur sehr dünn belegter Mythos, dessen Popularität sich ausdrücklich nicht aus seiner Fundiertheit ergibt. Aber offenbar quält in einer narzisstischen Überflussgesellschaft die Sorge, immer noch nicht genug zu bekommen, was das Geschäftsmodell nicht nur von Ernährungsberatern ist. Das ist nicht nur unnatürlich sondern auch unkultiviert.

Wir sind gute Vorbilder! Besser als Hyänen.Foto: Mat Hayward - Fotolia.com

6.

Und ja: Viele Tiere töten und essen andere Tiere. Die Mehrzahl der Tiere lebt allerdings vegan, man könnte sich also auch Mäuse und Elefanten zum Vorbild nehmen, statt Wildschweine und Kojoten. Und da gibt es zum Beispiel auch die Pandabären, die eigentlich Allesesser sind wie alle anderen Bären und die sich eines Tages trotzdem entschlossen haben, nur noch Bambus zu essen.

7.

Wir haben ja glücklicherweise die Möglichkeit, uns zu entscheiden. Und Moral beginnt dort, wo man eine Alternative hat. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob der Löwe eine Alternative hat oder nicht. Gleiches gilt für Krokodile und Haubentaucher. Denn seit wann legitimiert sich ein Unrecht dadurch, dass andere es auch verüben? Ein Richter würde Dir was erzählen, wenn Du Dich auf er Anklagebank für einen Mord so rechtfertigen würdest, wie es Fleischesser tun, wenn sie sagen, Putins Tiger hat es auch getan.

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© Silke Ruthenberg