Gestern war ich mit der Mami in einem Maststall, wo 200 Ferkel auf den Tod warten, wenn es uns nicht gelingt, sie zu retten. Die Ferkelchen waren durch ganz Deutschland gefahren worden zu einem Maststall in Bayern. Da durfen sie aber nicht abgeladen werden, weil die Tierärzte das nicht wollten und deshalb sollten die süßen Babys sofort im Schlachthof umgebracht werden.  Wir konnten aber helfen und nun sind die Schweinchen in einem ehemaligen Maststall untergebracht, damit wir Zeit gewinnen, so viele wie möglich zu retten.

Die Ferkelchen sind so unglaublich süß. Manche sind mutiger und manche ganz schüchtern. Ich habe mich in eine Box gehockt und da wurden sie sehr neugierig und wollten sich gern anfreunden mit mir. Ich darf nicht daran denken, dass man sie umbringt, wenn sie nicht gerettet werden können. Da werde ich nur noch weinen. Bitte hilf mit, weil wir es alleine nicht schaffen werden. Schweineretten ist nämlich eine schwierige Angelegenheit, weil die Menschenwelt Schweine lieber tot als lebendig mag.  Aber für die Hälfte der Schweine hätten wir schon Plätze, wenn wir nur genug Leute auftreiben, die die Ferkelchen adoptieren und Essen und Pflege bezahlen. Das ist übrigens viel billiger, als sich ein Kind anzuschaffen und Schweine haben immer einen guten Charakter, was man von Menschenkindern nicht immer behaupten kann. Und bei einem Ferkelkind muss man sich auch nicht dauernd mit Lehrern rumärgern und Windeln wechseln und ständig Spielzeug einkaufen. 

2.Oktober 2014

Im Sommer habe ich auch eine Papageientauchersafari gemacht, die war auch toll. Das war auf den Lofoten und das sind Inseln ganz im hohen Norden von Norwegen. Dort wohnen im Sommer auf einem Felsen vor Bleik 200000 Papageientaucher und da kann man mit dem Schiff hinfahren und schauen.

Der Kapitän hat mich umsonst mitfahren lassen, weil er es so cool fand, wie ich vorne am Bug saß. „Wie ein alter Seemann“, hat er zu meiner Mami gesagt. Aber das hätte er bestimmt nicht gemacht, wenn er gewusst hätte, dass ich Veganer war, denn der Kapitän war sicher ein Fischmörder und damit war ich ja sein natürlicher Feind.

Aber die Safari war toll. Der Atlantik hatte riesige Wellen und zwei Kinder haben gekotzt, aber ich nicht. Die haben wohl das Falsche gegessen. Leider waren auf dem Felsen nur noch einige 1000 Papageientaucher, die meisten sind schon umgezogen in wärmere Gebiete. Das machen die jedes Jahr so, der Felsen vor Bleik ist so was wie ihr Ferienhaus, wo sie im Sommer hinfliegen. Da ziehen sie auch ihre Kinder groß.

Der Kapitän hat erzählt, dass die Papageientaucher sehr gescheit sind und mit ihren Kindern schon Tage vor dem Schlüpfen sprechen. Wenn man ihnen ein Ei entführt und in ein anderes Nest legt, dann ist das Ei am nächsten Morgen schon wieder zurück im eigenen Nest.

Leider essen Papageientaucher Fische, was ich traurig finde für die Fische. Und da gibt es noch die Kormorane, die sind schwarz und fies zu den Papageientauchern. Wenn die nämlich mit dem Schnabel voller Fische auftauchen und zum Felsen fliegen, dann pecken die denen ins Genick, dass sie vor Schreck den Schnabel aufmachen. Dann fallen die Fische raus und die Kormarane schnappen sich die Beute. Aber die Papageientaucher sind nicht blöd und machen den Schnabel nur ein bisschen auf, sodass nur ein toter Fisch heraus fällt. So bekommt der Kormoranräuber nur einen kleinen Teil ab. Ganz schön schlau.  

Warum die Kormorane so fies zu den Papageientauchern sind, weiß ich nicht. Vielleicht hatten sie eine schlechte Kindheit.

Vorgestern habe ich im Fernsehen eine Talkshow angeschaut. Da ging es über Gesundheit. Das interessiert mich eigentlich gar nicht, aber da war ein Vegan-Koch und deshalb habe ich geschaut. Der Vegan-Koch hat mit Fachwörtern nur so um sich geworfen, dass einem schwindelig werden konnte. Dann hat er gesagt, dass in Himbeeren so ein ganz besonders toller Stoff drin ist, aber in seinem Müsli, das er gemacht hat aber anders genannt hat, war nur eine Himbeere. Das fand ich seltsam, denn wenn der Stoff in der Himbeere so gut ist, dann sollte doch die ganze Müslischale voll davon sein.

Jedenfalls hat er dann gesagt, dass er den Leuten nicht vorschreiben will, was sie essen sollen. Das hat mich total geärgert. Erstens kann er ja niemandem vorschreiben, was er essen soll. Er verzichtet also auf was, was er gar nicht hat, nämlich die Macht zum Vorschreiben.

Schön wäre es ja, weil es für die Tiere lebenswichtig wäre, dass mal jemand vorschreibt, dass sie nicht mehr gefressen werden dürfen. Aber das will er ja offensichtlich nicht. Das finde ich traurig und ärgert mich. Wahrscheinlich denkt er, dass ihn die Fleischesser dann mehr mögen. Dabei beleidigt er sie eigentlich damit und das ist zu wenig. Man muss denen sagen, dass das falsch ist, weil die Tiere ja kein Deutsch sprechen sondern nur Hühnerdeutsch oder Schweinedeutsch und das wollen die Tieresser nicht verstehen, also muss man es ihnen auf Menschendeutsch sagen.  

Jetzt wundere ich mich auch gar nicht mehr: Neulich hat mal die Mami ein Rezept von dem Vegankoch gemacht. Da musste ich die ganze Nacht fürchterlich furzen. Das waren bestimmt Wutpupse wegen dem Verrat an den Tieren.

Ich habe heute ein Video gemacht über Moschusochsen und Moschuswürste, das könnt ihr Euch anschauen. 

20.September 2014

In meinem Urlaub habe ich auch viele Moschusochsen kennengelernt. Wir haben nämlich an einer Moschusochsensafari teilgenommen und das war in Norwegen. Mami hat sich nicht getraut, allein mit mir im Dovrefjell nach Moschusochsen zu suchen, weil die sehr grantig werden können, wenn man sie stört und so schnell kann man gar nicht davonrennen, wie die wetzen können. Die sind zwar dick und schwer aber 60 km/h schnell.  Und im Dovrefjell war es sowieso sehr aufregend und wild, weil uns in der Nacht vorher fast das Zelt weggeflogen ist und etwas zerrissen ist vom Sturm.

Der Guide hat uns erstmal viel über Moschusochsen erzählt. Das sind keine Ochsen sondern eine Art Ziegen von anno dazumal. Sie sind aber so hoch wie ich und wiegen bis 400 kg. Die Moschusochsen im Dovrefjell wurden vor fast 100 Jahren als gekidnappte Babys von Grönland nach Norwegen verschleppt, weil die Leute dort die Tiere auffressen wollten. Aber die Moschusochsen hatten andere Absichten und wurden schnell so groß und wehrhaft, dass die Fleischfresser mit den Moschusochsen nicht mehr fertiggeworden sind und dann mussten sie die Moschusochsen freigelassen. Seitdem leben sie im Dovrefjell in der Mitte von Norwegen in Ruhe. Heute wohnen dort ungefähr 300 Moschusochsen, einige sind auch nach Schweden ausgewandert, weil sie sich dort eine bessere Zukunft versprochen haben. Ich würde auch lieber in Schweden als in Norwegen leben, weil es dort viel veganer zugeht im Supermarkt als in Norwegen.

Vor den Moschis haben alle einen riesigen Respekt ud das ist gut so. Allerdings wenn einer von denen mal in ein Menschendorf geht, dann kommen Killer und erschießen sie. Das passiert zum Glück selten, weil das Dovrefjell groß ist und es nur sehr wenige Dörfer gibt. Außerdem hab ich erfahren, dass die Moschusfrauen schicke Ponys tragen und die Männer eine kahle Stirn haben. 

 

Dann sind wir dem Guide hinterhergerannt, der mit Affenzahn ins Fjell wetzte, weil er zeigen musste, dass er ein cooler Typ ist. Wir sind kaum hinterhergekommen. Wir waren viele Stunden im Fjell, das sehr schön ist, und haben etwa 30 Moschusochsen gesehen, die ganz toll aussehen und schöne Haare haben, die im Wind wehen. Die essen Polarbirken, aber von jeder knabbert immer nur einen Zweig von einem Baum, sodass die Birken keinen Schaden nehmen. Wir mussten uns ganz vorsichtig auf die Moschusochsen zubewegen, dass die nicht die Wut packt und uns zeigen, wo der Hammer hängt.  Ich glaube allerdings, das war Wichtigtuerei vom Guide, und in Wirklichkeit wären die abgenervt verduftet, wenn wir direkt auf sie zugerannt wären. 

Näher als 100 Meter durften wir jedenfalls nicht hingehen.Ich wäre allerdings viel lieber bei den Moschis gewesen und hätte zu den anderen Touristen 100 Meter Abstand gehalten. Denn irgendwann haben wir Rast gemacht und dann hat der Guide aus der Hosentasche eine Moschuswurst rausgezogen und kleingeschnitten und an die Safariteilnehmer verfüttert.

Das fand ich eine unglaubliche Frechheit. Was sollen die Moschusochsen davon halten, wenn man in ihrer eigenen Wohnung einen Bruder oder eine Schwester von ihnen auffrisst vor ihrem Angesicht? Die haben ja gar keine Scham im Leib.  Das macht mich wütend und traurig. Deshalb wäre ich lieber bei den zivilisierten Moschis gewesen, die nur einen Zweig von einer Polarbirke abknabbern und sich anständig benehmen.

Komischerweise hat der Guide allen Leuten Moschusochsenwurst angeboten, nur Mami und mir nicht. Wahrscheinlich hat er sich geschämt vor uns und gewittert, dass wir ehrenhaft sind und keine Moschusochsen essen und nur dankbar sind, wenn wir sie mal bewundern können.

Mami meinte allerdings, dass uns das Vegansein nicht auf der Stirn steht und er nur Angst hat, dass sie ihn fragt, wann er denn das andere Moschuswürschtel aus der Hose holt. Mami hat sich gar nicht eingekriegt, dass der die Moschuswurst in der Hosentasche herumgetragen hat, obwohl er einen Rucksack hatte. Wahrscheinlich sollte sie schön warm sein beim Servieren und mit Moschusaroma. Mami hat sich schon bereit gemacht, ihm anständig die Meinung zu sagen, wenn er mit der Moschuswurst ankommt, aber leider war er zu feige dafür. Es haben übrigens auch andere Leute die Moschusochsenwurst nicht gegessen. Die waren aber höflich und tolerant, was ich dumm finde, weil es Verrat ist an den Moschusochsen.

Ich finde es aber toll, dass Moschusochsen so stark sind und ich wünschte, alle Tiere könnten sich so erfolgreich gegen die Tätermenschen wehren. 

10. September 2014

Ich bin leider wieder aus dem Urlaub zurück und habe viele Geschichten zu erzählen. Eine der tollsten Sachen passierte schon ganz am Anfang in Schweden. Mami und ich waren auf einer Tour durch Fulufjället. Das ist in Mittelschweden. Wir sind erstmal einen ganz steilen Weg nach oben geklettert, was viele Stunden gedauert hat. Dann hatten wir eine Bombenaussicht

Am Abend haben wir dann oben im Fjäll bei den Polarbirken an einem Bach unser Zelt aufgestellt und Mami hat Nudeln auf dem Gaskocher gekocht und dann ist mein großer Wunsch in Erfüllung gegangen. Am Bach habe ich die erste Moltebeere meines Lebens gefunden. Ich habe mich so riesig gefreut, weil ich gedacht habe, dass das nicht passiert, solange ich auf die Schule gehe, weil die Moltebeeren im Juli reif werden, wenn ich keine Ferien habe. Aber im Fulufjället sind die Beeren im August reif.

Moltebeeren wachsen in Skandinavien und sie sind selten. Deshalb sind sie die teuersten Wildbeeren der Welt. Sie sind sehr gesund, was mir egal ist, aber vor allem schmecken sie unglaublich lecker. In Delikatessengeschäften kann man Multebeerenmarmelade auch in Deutschland kaufen. In Schweden und Finnland gibt es sie in jedem Supermarkt, aber Mami jault immer, wenn ich sie zwinge, ein Glas zu kaufen. Die kann man dann auf veganen selbstgemachten Waffeln schmieren und vegane Schlagsahne drauftun und da dreht man dann völlig durch.

Am nächsten Morgen habe ich alle Moltebeeren gepflückt, die reif waren an unserem Zeltplatz und dann sind wir weitergewandert und kamen wir an ein Moor, das total voll war mit Moltebeeren. Leider ist mir dann ein Schuh im Moor steckengeblieben, als ich zu einer Moltebeereninsel gerannt bin. Mami hat mir den Schuh allerdings retten können, nachdem sie sich ausgelacht hat und ich musste nicht mit nur einem Schuh weiterpflücken und wandern.

Wir haben einen halben Topf voll Moltebeeren gesammelt und die hat Mami dann am Nachmittag in einer Schutzhütte im Fjäll gekocht und wir haben sie mit Sojamilch gegessen und das war das beste Essen überhaupt. Später haben uns Schweden erzählt, dass Moltebeeren zu Vanilleeis so gut schmecken. Da darf ich gar nicht darüber nachdenken, weil es in Schweden so unglaublich leckeres veganes Vanilleeis in jedem Supermarkt gibt, wo man beinahe durchdrehen kann. Und ein Däne hat uns erzählt, dann es im ICA-Supermarkt in Schweden frischen Moltebeerensmoothie gibt, der auch so unglaublich lecker sein soll. Da bin ich dann wieder fast durchgedreht, weil wir da schon in Dänemark waren und mir die Leckerei entgangen ist. Mami hat 5 Gläser Moltebeerenmarmelade gekauft, die jetzt hier im Schrank stehen und die schaue ich mir jetzt immer an und freue mich, dass ich die hier habe, damit ich immer wieder Moltebeeren essen kann, bis ich das nächste Mal sammeln kann. Im Fulufjället habe ich übrigens noch 3 Lemminge und 8 Schneehühner kennengelernt, das war auch ganz toll. Lemminge sehen aus wie Goldhamster und die Schneehühner waren nicht weiß sondern braun angezogen, weil ja Sommer war. Leider sind die alle schnell verduftet, weil Menschen meistens Täter sind, vor denen man sich in Sicherheit bringen muss.

Ich habe hier noch ein paar Bilder vom Moltebeerensammeln für Euch.

Und das nächste Mal erzähle ich Euch, wie ich Moschusochsen begegnet bin. Das war im Dovrefjell und das war sehr aufregend.

 

 

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© Silke Ruthenberg