Vegane Kids - Chance oder Risiko?

Keine Freßfeinde! Futterkonkurenten!: Junger Veganer mit venezianischer Taube

Spätestens beim Thema Schwangerschaft und bei Kindern hört hierzulande die Akzeptanz der veganen Ernährung auf.

Man holt sich Schützenhilfe von den Ökotrophologen, denn was kann es Wirkungsvolleres geben, als Ängste zu schüren, dass das arme Kind nicht satt wird. 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät ebenso pflichtschuldig wie dringend ab, Kinder vegan zu ernähren. Sie befindet sich damit im völligen Widerspruch zur Überzeugung von wesentlich größeren und rennommierteren ernährungswisssenschaftlichen und kindermedizinischen Fachgesellschaften, zum Beispiel der Amerikanischen Gesellschaft für Ernährung Academy of Nutrition and Diatetics, der Kanadischen Gesellschaft für Ernährung (Dietitians of Canada, DC, Verband der kanadischen Ernährungswissenschaftler) und der weltweit grössten Vereinigung von Kinderärzten American Academy of Pediatrics (AAP). Diese empfehlen ausdrücklich alle Formen vegetarischer Ernährung – und damit auch die vegane – als gesund und bedarfsdeckend für alle Lebensphasen und auch für Schwangere, Stillende und Kinder. 

 

Das Positionspapier der DGE gegen eine vegane Ernährung von Kindern weist dabei demagogische Elemente auf. Insbesondere werden Fallbeispiele von mangelernährten Kindern aufgeführt, die nach makrobiotischen Aspekten oder nach religiösen Extremdiäten ernährt wurden, die zwar tatsächlich pflanzlich waren, aber noch weitere starke Einschränkungen beinhalteten. Mit einer veganen Ernährung hat diese Ernährung nur noch im weitesten Sinne zu tun. Trotzdem ist sie interessierten Kreisen gut genug, um die Kritik zu untermauern. Seriös ist das sicher nicht. Aber wirkungsvoll.

 

Obwohl es also wissenschaftlich gesichert ist, dass eine vegane Ernährung auch für Schwangere, Stillende und Kinder aller Altersgruppen vollwertig und gesund ist, sehen sich vegane Mütter und Väter oft noch massivem Druck von Freunden, Verwanden und Ärzten ausgesetzt. 

Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Kritik an veganer Ernährung speziell bei Müttern und Kindern pädagogische und psychologische und weniger ernährungsphysiologische Hintergründe hat.

Wenn es die Jungen es anders machen wollen, so liegt das den Alten oft schwer im Magen. Das ist kein alleiniges Problem veganer Ambitionen. Aber wenn es um etwas so Zentrales im Leben geht wie die Ernährung geht ist es schon besonders verdächtig.

Deshalb ernten ketzerische Mütter oft Mißtrauen und Ablehnung, wenn sie den Nachwuchs anders ernähren wollen als Ahne und Urahne und eine neue Lebensphilosophie der nächsten Generation quasi mit der Muttermilch weitergeben.

 

Auch in unserer vermeintlich toleranten freien Welt wirkt nach wie vor die Macht des Gruppendrucks. Anpassung ist nach wie vor oberster Erziehungsauftrag.

Wer sich nun in seinen Ernährungsgewohnheiten vom Massentrend absetzt und das gar noch mit einer allgemeinen Kritik an herrschenden Verhältnissen verknüpft, weckt Ängste, Ablehnung und Aggression. Das ist ein Grundprinzip des sozialen Miteinanders. Das vertraute ist gut, das Fremde, Neue erstmal böse. Vin diesen Reflexen sind auch Wissenschaftler nicht frei, sie können sich nur besser mit ihren unbewußten Motiven mit Wissenschaftlichkeit tarnen.

Gerade ketzerische Mütter sind besonders gefährlich, denn sie sind es ja, die die Kinder prägen und die Werte eine Kultur in die nächste Generation tragen. Wohin soll das nur führen, wenn Veganerinnen die normabweichende Gesinnung womöglich noch mit Nachhaltigkeit vermitteln? 

Ernährungspräferenzen entwickeln sich zudem vor allem in der Kindheit und also ist zu befürchten, dass vegan erzogene Kinder der Fleisch und Milchindustrie auch als Erwachsene durch die Lappen gehen. Und das große Geschäft liegt aufgrund der großen Ressourcenintensität dort und nicht beim gemüsebauern. Veganer sind wirtschaftspolitisch also nicht so erwünscht. 

 

Eigentlich ist es ja geradezu obszön: noch nie war die Grundversorgung mit Lebensmitteln hierzulande umfangreicher wie heute. Und trotzdem haben wir immer noch Angst, nicht satt zu werden. Diese Angst kann wahrlich nicht ganz gesund sein...

Viele Veganerinnen lassen sich heutzutage jedoch nicht mehr verrückt machen und widersetzen sich auch dem Druck uninformierter Ärzte. Sie bekommen gesunde und quicklebende Kinder und lassen die unkenden Zeitgenossen ganz schön alt aussehen als ewig Gestrige, die den Trend der Zeit verpasst haben.

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© Silke Ruthenberg